Fuerteventura Spezial-ReportANTIGUAund
Umgebung...
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Bilder zum Spezialreport "Antigua und Umgebung" in der Fotogalerie am Ende des Artikels! |
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In dieser Ausgabe möchten wir Ihnen eine
Region voller Gegensätze nahe bringen, ein Gebiet zwischen Brauchtum und
Massentourismus, zwischen traditionellem Handwerk und klimatisierten
Einkaufszentren, zwischen Salzpfannen und Fast Food, zwischen Windmühlen
und künstlich bewässerten Golfplätzen, zwischen alten Fischerbooten und
modernen Yachten. Profitieren Sie schließlich auch von allen Vorzügen und Annehmlichkeiten einer jungen, touristisch geprägten Region mit ihren herrlichen, geschützten Sandstränden. Lernen Sie die mühsame Methode der Salzgewinnung kennen, tauchen Sie ab in längst vergangene Zeiten der Ureinwohner und genießen Sie die Ruhe und gleichzeitig die spannende Tierwelt ihrer und unserer Lieblingsinsel Fuerteventura! Beginnen möchten wir unsere Reise entsprechend auch in der ältesten Siedlung der Region, dem Städtchen Antigua im Landes-inneren. Die Siedlung ist zugleich auch Namensgeber des Municipios (des Verwaltungskreises), in dem wir uns während der ganzen Fahrt bewegen. ANTIGUAAntigua ist der drittgrößter Ort in der zentralen Ebene und liegt mitten in einem weiten Tal, ziemlich genau im geographischen Zentrum der Insel. Die Gemeinde, die etwa 3.000 Einwohner zählt, wird als der „Wiege des Brauchtums“ bezeichnet. Trotzdem hat sie beinahe städtische Atmosphäre mit ihrem kleinen, aber ansehnlichen Zentrum mit einigen Boutiquen und Geschäften sowie einer Markthalle. Das Motiv, das man aber am häufigsten mit Antigua in Verbindung bringt, ist die eindruckvolle, restaurierte Windmühle am nördlichen Ortseingang. Insgesamt wirkt Antigua eher lebendig, nahezu in Aufbruchsstimmung. An vielen Enden des unübersichtlich wirkenden Ortes werden neue Häuser gebaut, einige der älteren wirken herausgeputzt wie für ein Volksfest. Bei Nacht lassen die neuen, aber antik wirkenden Straßenlaternen die weiße Farbe der meisten Häuser eigentümlich leuchten. Historische Entwicklung Antigua gehört zu den ältesten Ortschaften der Insel, war aber nach der spanischen Eroberung gegen Ende des 15. Jahrhunderts nur sporadisch — während der Aussaat und der Ernte — bewohnt. Das Tal bot verhältnismäßig günstige Niederschläge und natürliches Wasservorkommen. Der zudem sehr fruchtbare, rote Lehmboden prädestinierte Antigua für die Landwirtschaft auf Fuerteventura.
Da aber die Lehnsherren während des
Feudalsystems im damaligen Regierungssitz Betancuria bei potentiellen
Angriffen genügend Verteidigungskraft in der Hauptstadt haben wollten,
bestand für die Bauern die Pflicht, in unmittelbarer Nähe zur Stadt zu
wohnen.
Im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte
überflügelte Antigua die Hauptstadt Betancuria in wirtschaftlicher
Hinsicht. Dafür sorgten einerseits die hohe landwirtschaftliche
Produktion (zunächst vor allem Getreide) und andererseits die zentrale
Lage zwischen der Ostküste und der Hauptstadt. Im 18. Jahrhundert war
Antigua die reichste und am stärksten bevölkerte Urbanisation der Insel.
Anfang des 19. Jahrhunderts schlossen sich in Antigua Großbauern und aufstrebende Unternehmer zusammen, um gegen die Feudalherrschaft vorzugehen. Es kam zu heftigen bewaffneten Auseinandersetzungen, die erst durch das Eingreifen des Militärs von Teneriffa geschlichtet werden konnten. Als Sieger aus den Erschütterungen der Feudalstrukturen ging der Coronel (Oberst) hervor, der einige Jahre vor der Schlichtung von 1815 durch geschickte Schachzüge Ankaufsmonopole für landwirtschaftliche Produktionsgüter erworben hatte. Daher ging in den Folgejahren ein Großteil des Gewinns aus dem Export an die Familie Cabrera Béthencourt (die vom Eroberer Fuerteventuras, Jean de Béthencourt, abstammte), und somit an den Clan des Coronels in La Oliva. Daher war es vornehmlich der ärmere Teil der Bevölkerung, der auch im nächsten Jahrhundert von mehr als 30 Dürrejahre betroffen war. Hieran änderte auch die Einführung der Schöpfradbrunnen wenig, welche die Grundwasserreserven ein wenig besser nutzbar machten.
Im Jahre 1834 kam es durch das Königshaus in
Spanien endgültig zur Auflösung der Feudalstrukturen. Antigua, der Sitz
der ersten offenen Revolte gegen dieses System, wurde zur Hauptstadt
Fuerteventuras erklärt, doch bereits ein Jahr später ging der
Verwaltungssitz an La Oliva über, dem Sitz des Militärregiments unter
den nach wie vor einflussreichen Coroneles. In jenen Jahren zählte Antigua immerhin recht stattliche 1.911 Einwohner. Darin war schon ein leichter Rückgang enthalten, denn ab der Mitte des 19. Jahrhunderts begann eine schwere Zeit für die Majoreros: Weitere Dürrejahre, die Entwicklung von künstlichem Soda sowie der künstlichen Farbstoffe, die der zwischenzeitlichen, gewinnbringenden Nutzung der „Cochenille“-Schildlaus (für roten Farbstoff) ein Ende bereitete, beraubte viele Menschen ihrer Lebensgrundlage.
Die Einführung der Metall-Windmühlen, die
damals in Amerika erfolgreich zum Schöpfen des Grundwassers aus
Tiefbrunnen Sehenswürdigkeiten Das Zentrum Antiguas wird bestimmt von der kleinen, aber sehr schönen, einschiffigen Kirche. Die “Iglesia Nuestra Señora de la Antigua” mit ihrem Glockenturm mit rundlicher Kuppel wurde im Jahre 1785 fertig gestellt und leuchtet heute den Besuchern in strahlendem Weiß entgegen. Im Inneren fällt als erstes die dunkle Holzdecke aus kanarischer Kiefer auf. Das dauerhafte Holz wurde damals extra aus Teneriffa importiert. Die Decke ist dem Mudéjar-Stil zuzuordnen, einer Mischung aus maurischen Stil und Einflüssen aus Gotik und Renais-sance. Das Wort leitet sich von „Madaijan“ ab, dem arabischen Wort für „Unterworfene“ und stammt von den Mauren, die nach der Rückeroberung des spanischen Festlandes vor Ort blieben. Die Mehrheit von ihnen lebte in Andalusien, so dass im Zuge der oben angesprochenen Auswanderungswelle auch zahlreiche Mauren nach Fuerteventura kamen, wo sich der Baustil schnell mit einheimischer Bautradition verband und sich fortan zum so genannten „Kanarischen Stil“ weiterentwickelte. Der Hauptaltar besteht aus bemaltem Kalksandstein, welcher dadurch an kostbareren Marmor erinnern soll. In einer Nische steht die erwähnte Statue der Jungfrau von Antigua, doch zuerst fällt einem das großformatige Gemälde des “Jüngsten Gerichts” ins Auge. Insgesamt gibt es vergleichbare Werke elfmal auf der Insel, doch nur in Antigua und Téfia wurde auf eine Darstellung der Hölle verzichtet. Vom einstigen Reichtum Antiguas zeugen auch einige der alten Herrenhäuser. Mitten im Zentrum steht beispielsweise eine türkisfarbene Jugendstilvilla aus dem 19. Jahrhundert, die hinter einigen herrlichen Opuntien aufragt. Interessanterweise findet man kaum 100 Meter weiter östlich das genaue Gegenteil: Dort steht die Ruine eines alten Bauernhauses. Dies verdeutlicht einerseits die damaligen Standesunterschiede und lässt andererseits den wirtschaftlichen Verfall während der Landwirtschaftskrisen erahnen. Aber gerade diese unheimliche Wirkung, die von der Ruine ausgeht, ist das, was auch den Reiz Antiguas ausmacht. Hauptanziehungspunkt Antiguas ist allerdings das 1997 eröffnete “Centro de Artesanía”, das Kunsthandwerkszentrum mit dem Namen “Molino de Antigua”. Wie diese Bezeichnung vermuten lässt, steht auf dem Gelände eine restaurierte Getreidemühle, die ein fantastisches Fotomotiv hergibt. Man kann die Mühle auch betreten und sich von der einfachen, aber damals doch bahnbrechenden Erfindung überzeugen und sich das Mahlen des „Gofios“ förmlich vorstellen. Gegenüber befand sich früher das Lagerhaus, das in den achtziger Jahren von dem Künstler César Manrique von Lanzarote zu einem Restaurant umfunktioniert und umgestaltet wurde. Genießen Sie in diesem überaus gelungenen Ambiente Kaffee und Kuchen oder probieren Sie die empfehlenswerten Speisen der jetzt integrierten Restaurantschule. Aber das Areal an der Straße nach Norden in Richtung Inselhauptstadt hat wesentlich mehr zu bieten: Im “Pueblo Majorero” sind Funde der Ureinwohner, besonders aus einer Höhle bei Villaverde ausgestellt: Reste von Tonkrügen, Keramik, Schmuck und alte Werkzeuge lassen das Leben in der Zeitspanne zwischen dem 3. und 14. Jahr-hundert etwas lebendiger erscheinen. Dazu tragen auch die menschlichen Überreste eines Mannes und eines Kindes aus dieser Zeit bei, die in einem ovalen Grab gefunden und geborgen wurden. Die Schautafeln der Ausstellung sind zwar auf Spanisch, doch liegt eine deutsche Übersetzung aus. Gehen Sie auf die großzügige Dachterrasse des Gebäudes, das einem alten Gutshof nachempfunden wurde, und genießen Sie den Ausblick auf die Umgebung Antiguas und den fantastischen Garten, der auf dem Gelände angelegt wurde: Hier findet der Betrachter Drachenbäume und Sukkulenten (Wasser speichernde Pflanzen) aus Mexiko, Afrika und auch Fuerteventura. Selbstverständlich fehlt auch die Aloe nicht.
Das eigentliche Kunsthandwerkszentrum ist
täglich von 9:30 bis 17:30 Uhr geöffnet (außer Mo und Sa) und befindet
sich in einem renovierten Gutshaus mit Balkongalerie im Mudéjar-Stil.
Hier werden Produkte der örtlichen Kunsthandwerkervereinigung “Mafasca”
verkauft, welche auch Kurse für Arbeitslose veranstaltet und so das alte
Handwerk wieder aufleben lassen will. Höhepunkt des Jahres ist entsprechend auch die große Kunsthandwerksmesse (meist Ende Mai), die so genannte “Feria Insular de Artesanía”. Hier werden dann sogar Produkte der gesamten Kanaren feilgeboten und Arbeitsdemonstrationen veranschaulichen die mühsame Handarbeit, die hinter den Produkten steckt. Natürlich darf auch das Drumherum nicht fehlen: Folkloredarbietungen und der beliebte kanarische Ringkampf “La Lucha Canaria” dürfen bestaunt werden und belegen, warum Antigua als “Wiege der Tradition” Fuerteventuras bezeichnet wird. Auch beim La Lucha stellt Antigua den ältesten Ortsverein. Die besten in diesem Sport beherrschen alle der 43 erlaubten Griffe in dem als Kampfarena dienenden Sandkreis mit 10 Metern Durchmesser. Das “Licht von Mafasca” Es handelt sich um eine der kanarischen Sagen und Legenden, die zusammen mit weiteren Erzählungen von Domingo Baéz zusammengetragen wurden: Ein Mann namens Pedro streifte durch die Gegend, wo er eines Tages auf eine Dame ohne Begleitung stieß, die er mit Gewalt nehmen wollte. Sie sagte ihm, sie sei eine Jungfrau und würde ihn in einen Adler verwandeln, wenn er nicht von ihr ließe. Doch das hielt Pedro nicht davon ab und so verwandelte ihn die Dame nach der Vergewaltigung in einen Adler. Er soll dann etwa 60 Kilometer geflogen sein, wo er abstürzte und zurückverwandelt wurde. Aus Hunger beging er dann die zweite Sünde: Er tötete einen Schafbock und briet das Fleisch aus Mangel an Holz mit einem in der Nähe aufgestellten Grab-kreuz — eine Gotteslästerung. Er starb daraufhin und soll bis heute in der Ebene von Mafasca (südlich von Antigua) den Leuten bei Neumond als Irrlicht erscheinen. Jüngste Entwicklung Lange Zeit passierte nicht viel in Antigua. Gutshäuser und Windmühlen verfielen zusehends, wurden aber, genau wie einige Straßen, mit Hilfe von Geldern aus der EU restauriert. Der finanzielle Regen ließ auch die Landwirtschaft neu erblühen und Grünflächen entstehen. Der Anbau von Wintergetreide und Alfalfa (Luzerne) wurde wieder forciert, um so auch das touristische Potential zu erhöhen. Durch die intensive Bewässerung sank allerdings der Grundwasserspiegel, wodurch mitunter Meerwasser in das Süßwasserreservoir einsickern kann und dieses nach und nach versalzt. Daher mussten die Felder nach zweijähriger Nutzung 10 Jahre brach liegen. Die Lösung heißt „goteo“, eine sehr aufwendige Tröpfchenbewässerung, die auf vielen Feldern praktiziert wird. Getreide ist aber nicht die Hauptstütze der Landwirtschaft Antiguas: Die größte Anbaufläche weist die Aloe Vera auf, deren Extrakte vielen Urlaubern und Einheimischen schon u.a. über Sonnenbrände und trockene Haut hinweggeholfen haben. Aloe ist die Pflanze, die mit den klimatischen Bedingungen der Region am besten zurechtkommt. Das eindrucksvollste Bild über den Anbau wird einem etwa 5 Kilometer südlich von Antigua, in Valles de Ortega vermittelt. Hier befindet sich eine große Aloe-Vera-Plantage mit angeschlossener Fabrik, die sich auch besichtigen lässt. Weiterhin werden Melonen, Linsen, Kartoffeln, Zucchini und Kürbisse angebaut. Darüber hinaus wird in Antigua natürlich, wie überall auf Fuerteventura, Ganadería, also Viehzucht betrieben. Ziegen sind auch hier ständige Wegbegleiter, vor allem abseits der üblichen Touristenpfade. Antigua ist berühmt für seinen Ziegenkäse, zwei ortsansässige Sorten der zahlreichen Variationen des Milchprodukts konnten auf der diesjährigen FEAGA, der Landwirtschaftsmesse, den jeweils ersten Platz belegen. Vor Ort gibt es mehrere Möglichkeiten, sich mit dem würzigen Produkt einzudecken. Insgesamt sind aber nur noch knapp 2 % aller Beschäftigten des Municipios in der Landwirtschaft oder im Fischfang tätig (dem so genannten Primären Sektor des Arbeitsmarktes). Zukunftsplanung
Antigua soll auch weiterhin in seiner
traditionellen Art erhalten werden und nicht auf den
Übernachtungstourismus setzen. Auch die Landwirtschaft im Großraum Antiguas soll weiterhin erhalten und gefördert werden.
Der große Platz vor der Kirche, der mit
seinen Schatten spendenden Lorbeer- und Drachenbäumen zum Verweilen
einlädt, soll bis zum Jahr 2006 mit Hilfe der Öffentlichen Hand saniert
werden. Dabei stammen 50% der Mittel von der kanarischen Regierung, Wenige Kilometer östlich liegt die kleine Siedlung Triquivijate, über die in älteren Reiseführern geschrieben steht, dass sie zu verfallen drohte. Inzwischen erstrahlt der Ort aber wieder in neuem Glanz, wofür sich vor allem viele kapitalstarke Ausländer, die in das Örtchen zogen, verantwortlich zeigten, da die meisten von ihnen die alte Bausubstanz erhalten und durch Renovierung aufgewertet haben. Zu den Zugezogenen gehören auch zahlreiche Deutsche, wie beispielsweise Thomas Makat und seine Familie, die den örtlichen Schlachterbetrieb ihr Eigen nennen können und sogar über die Inselgrenzen hinaus ihre süddeutschen Spezialitäten verkaufen. Als sie vor 10 Jahren nach Triquivijate zogen war der Ort lediglich ein kleines Dorf mit einigen wenigen Häusern.
Die ursprüngliche Dorfgemeinschaft ist nach wie vor vorhanden, doch
wissen viele der „Neu-Triquivijater“ nichts von der Existenz des
Gemeindehauses mit seinen zahlreichen Freizeit- und
Weiterbildungsmöglichkeiten. Vielleicht haben viele der Zuzügler aber
auch wenig Interesse, am Dorfleben teilzunehmen oder sehen ihre Häuser
lediglich als Feriendomizile. Im Moment sind es vor allem englische
Immobilienfirmen, die zum Teil prächtige Neubauten errichten, um sie
später an Interessenten zu verkaufen. Auch durch die Tatsache, dass die Siedlung am Fuße des höchsten Berges im Osten Fuerteventuras, dem “Rosa del Taro” liegt, ist ein Abstecher nach Triquivijate durchaus lohnenswert. Wer sich etwas mehr Zeit für die Gemeinde nehmen möchte, der kann sich eines der 12 Zimmer in der “Casa Rural Piedra Blanca” mieten und die Umgebung vielleicht auch auf dem Rücken eines Pferdes erkunden. Ausritte bieten Barbara und Carlos an. Ihren Reitplatz kann man rechts von der Straße Richtung Norden, kurz vor dem Restaurant “La Finca”, in einer Senke erkennen. Rosa del Taro (593 m) Das Gasthaus “La Finca“ ist auch Ausgangspunkt zu unserer Wanderung auf den Gipfel des „Rosa del Taro“. Ab hier fährt man auf der FV 430 Richtung Puerto del Rosario circa 2 Kilometer, wo dann an einer scharfen Rechtskurve eine Schotterpiste nach rechts abzweigt. Auf dieser kann man noch einige hundert Meter weit fahren und dann am Rand problemlos parken. Von hier lässt sich der Gipfel in etwa einer Stunde erklimmen. Allerdings sollte man doch etwas Kondition mitbringen, und auch festes Schuhwerk und genügend Wasser sollte mit von der Wanderpartie sein. Vom Wagen aus geht's zu Fuß weiter in östlicher Richtung. Man durchquert einen kleinen Barranco (ein ausgetrocknetes Flussbett) und orientiert sich einfach an dem höchsten Punkt, den man im Auge hat (der eigentliche Gipfel liegt kurz dahinter). Die folgenden Minuten überwindet man einige Höhenmeter, weshalb die Expedition als mittelschwer einzuschätzen und nicht un-bedingt für Kinder geeignet ist. An einem kleinen Steinhaufen kann man eine Rast einlegen und den ersten Ausblick genießen. Anschließend kommt noch einmal ein steiles Zwischenstück, bevor es dann eher gemächlich zum Gipfel hinaufgeht. Dort existiert zwar kein Kreuz, dafür eine große Antenne! Aber der Blick in sämtliche Himmelsrichtungen entschädigt für alles: Im Norden kann man die Hauptstadt erkennen und nach Süden hin öffnet sich der Blick auf die weite Ebene von Mafasca, in der Triquivijate und weiter östlich auch Antigua auszumachen sind. Besonders spätnachmittags leuchtet die Ebene in den verschiedensten Farbtönen, von Gelb über Grün und Braun bis zu einem intensiven Rot. Direkt im Süden sieht man den “Montaña del Negrito” (282 m) und dahinter schließt sich der Bergzug “Cuchillete de Buenavista” an. Der Name Cuchillete bedeutet übersetzt 'Messerchen' und bezeichnet den schmalen Kamm aus dünnen, basaltigen Lavaschichten, der hier dem sanft ansteigenden Sockel aus (widerstandsfähigeren) Agglomeraten aufliegt. Die Form wurde vor allem durch die Erosionskraft des Windes ausgeprägt. Der „Rosa del Taro“ gehört zum Gebiet der “Cuchillo de Palomares”, bei dem der scharfe Kamm aber nicht so klar zu erkennen ist. Linkerhand kann man den Pinien gesäumten Weg nach Costa de Antigua (Nuevo Horizonte) als Orientierung erkennen, so dass auch südlich davon Caleta de Fustes mit seinem bebauten “Montaña Blanca de Abajo” auszumachen ist. Im Südosten erblickt man die “Caldera de Gairia” , den 461 Meter hohen Einsturzkrater. Einen ganz ungewöhnlichen Blick gibt es im Westen zu bestaunen, wo ein kleiner See hervorsticht, auf dem bei näherer Betrachtung auch Enten zu sehen sind. Zwar lädt der Platz am Straßenrand nicht gerade zum Verweilen ein, doch bietet der Anblick des Gewässers eine willkommene Abwechslung zur sonstigen Trockenheit der Insel. CALETA DE FUSTES Caleta de Fustes ist die wirtschaftlich bedeutendste Siedlung der Gemeinde Antigua. Fast der gesamte Übernachtungstourismus des Bezirks findet in der weitläufigen Feriensiedlung statt. 16.000 Betten sprechen hier eine deutliche Sprache. Zwar ist Caleta de Fustes heute ein typischer Tourismusort, der fast nur zu diesem Zweck konzipiert wurde, durch seine größtenteils flache und unaufdringliche Bebauung ist er jedoch sehr ansehnlich und wirkt einladend. Dafür sorgen auch die zahlreichen Grünpflanzen, einerseits die in den Clubanlagen, andererseits aber auch die von der Gemeinde angepflanzten Palmen an der Strandpromenade. Vor allem bei Familien mit Kindern ist die Urbanisation eine beliebte Ferienregion, da der flache, gut geschützte Strand ein sicheres Baden garantiert.
Caleta de Fustes kann zwar bis zu 16.000 Gäste beherbergen, dauerhafte
Residenten gibt es hier aber nur etwa 2000. Dabei handelt es sich
weniger um Spanier, sondern vor allem um Engländer, die aber auch nicht
unbedingt dauerhaft ihren Wohnsitz in Caleta de Fustes haben müssen,
sondern lediglich hier gemeldet sind. Einheimische können sich den
Lebensstandard in Caleta de Fustes kaum leisten, so dass die meisten der
Arbeitnehmer in den Hotels und Gaststätten Pendler sind, die jeden Tag
aus Antigua, Triquivijate oder anderen Gemeinden der Umgebung zur Arbeit
fahren. Damit ist Caleta de Fustes also eine Art Wohnstätte für
Touristen und ausländische Residenten, für Einheimische fungiert Costa
Caleta, wie Caleta de Fustes jetzt auch genannt wird (wegen der für
Engländer schwierigen Aussprache), aber nur als Arbeitsstätte und
städtisches Zentrum mit großem Einzugsradius. Anfang des 18. Jahrhunderts standen kaum Häuser im heutigen Siedlungsgebiet. Der wirtschaftliche Aufschwung Antiguas durch seine landwirtschaftliche Produktion und der Status Fuerteventuras als Getreide exportierende Insel ließ zur damaligen Zeit die Idee eines neuen, modernen Hafens reifen. Im Jahre 1730 wurde der Plan in die Tat umgesetzt. Caleta De Fustes war neben El Tostón (dem späteren El Cotillo) und Puerto de la Peña (heute Ajuy) einer der drei Häfen Fuerteventuras, die von den Lehnsherren mit dem Exportrecht ausgestattet wurden. Die beiden Überfälle britischer Piraten auf Tuineje, die aber jeweils zurückgeschlagen wurden, verdeutlichten die Notwendigkeit, die Küste verstärkt zu schützen. Folglich errichtete der Militärarchitekt Claudio de Lisle zwei baugleiche Festungstürme in El Tostón und eben in Caleta de Fustes. Zu einem Überfall auf die kleine Siedlung kam es jedoch nie. In der Zwischenzeit hatten sich vermehrt Siedler im Hafenbereich niedergelassen. Der Aufschwung und die politische Vormachtstellung La Olivas brachten Caleta de Fustes im Verlaufe des 18. und 19. Jahrhunderts aber Nachteile: Die Obersten in La Oliva wählten Puerto de Cabras (heute Puerto del Rosario) zu ihrem Ausfuhrhafen, da hier keine Steuern für sie anfielen. Mit der Zeit stieg die Bedeutung der heutigen Inselhauptstadt und Caleta de Fustes stagnierte in seiner Entwicklung. Aus diesem Grund ist auch keine gewachsene Dorfstruktur wie in anderen Siedlungen erkennbar, denn erst Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts kam es durch den aufkommenden Massentourismus zum neuerlichen Wachstum der Gemeinde. Bis dahin blieb der Ort aus wenigen Häusern bestehen und war den meisten Inselbewohnern nur aufgrund des Restaurants “Frasquita” ein Begriff. In dem kleinen Haus wurde fangfrischer Fisch verkauft und auch zubereitet. Die Qualität sprach sich schnell auf der ganzen Insel herum. Obwohl die damalige Besitzerin leider verstorben ist, existiert das Restaurant heute an anderer Stelle in Caleta de Fustes weiter (am südlichen Teil der Strandpromenade), so dass Fischliebhaber immer noch voll auf ihre Kosten kommen. Die Entwicklung zum Urlaubsort
Im Jahre 1980 entdeckte die deutsche Immobilienfirma “Inver Canary” das
Areal hinter dem Castillo, dem Verteidigungsturm. Sie kauften das Gebiet
und begannen ein Jahr später damit, eine kleine Apartmentanlage zu
errichten. Costa Caleta, El Castillo, oder doch Caleta de Fustes? In diesem Zusammenhang möchten wir kurz Aufklärung bezüglich des Ortsnamen betreiben, da auch in der Reiseliteratur immer wieder die verschiedensten Bezeichnungen verwandt werden. Das Areal um den Hauptstrand herum bis zur Calle Alcalde Juan Evora Suárez im Norden und bis zur Hauptstraße wird in der Stadtverwaltung als “Caleta de Fuste, parte 1” bezeichnet, da hier die Ortsentwicklung begann. Das Gebiet westlich der Hauptstraße, das sich im Moment weiter im Wachstum bis auf den Hügel “Montaña Blanca de Abajo” ausdehnt, heißt folglich “Caleta de Fuste, parte 2”. Der nördliche Bereich mit den Einkaufszentren Castillo, Los Arcos und Happy Shopping Center bekam den Namen “El Castillo”. Nur 700 Meter weiter nördlich liegt die Siedlung “Costa de Antigua”, die vielen noch als “Nuevo Horizonte” in Erinnerung geblieben ist (hierzu später mehr).
Die drei Abschnitte "Caleta de Fuste 1 und 2“ und
"El Castillo“ bilden
zusammen die Gemeinde “Caleta de Fustes”. Aber damit nicht genug: Auf Tourismusmessen hat man sich aus kommerziellen Gründen beim Ayuntamiento dazu entschlossen, das gesamte Urbanisationsgebiet, einschließlich des Golfclubs, “Costa Caleta” zu nennen. Durch diesen internationaler klingenden Namen erhofft man sich eine bessere Vermarktungsmöglichkeit. Ein kleines weißes Schild an der Durchgangsstraße weist auf diesen Namen hin und macht die Verwirrung perfekt. In Reisekatalogen kann man sich also auf den Namen Costa Caleta einstellen, die dann mit Corralejo, Costa Calma und Jandía Playa die vier Hauptdestinationsgebiete der Urlauber bilden. Die nächste einschneidende Veränderung in Caleta de Fustes trat 1995 in Kraft, als die spanische Kette “Barceló” den Apartment-komplex von Inver Canary aufkaufte. Sie übernahmen die bestehende Anlage und kauften zusätzlich noch ein kleines Areal am Hafen und dem Bereich direkt nördlich des Strandes. Damit besitzt Barceló drei verschiedene Anlagen auf dem wohl schönsten Gebiet in Caleta de Fustes, zumal noch der alte Wehrturm auf dem Grundstück des Clubhotels steht. Dann passierte lange Zeit nicht viel in Caleta de Fustes, die Besucherzahlen stiegen langsam, aber kontinuierlich an, aber größere Veränderungen des Siedlungsbildes sollten sich erst im neuen Jahrtausend ereignen. Die “Elba”-Hotelkette baute gleich mehrere Hotels, darunter das 5-Sterne-Haus “Elba Palace Golf” am 18-Loch-Golfplatz, der 2002 auf 400.000 m² Grund geschaffen wurde. 2003 eröffnete das “Centro comercial Atlántíco”, ein zweigeschossiges Einkaufszentrum, welches das einzige große Kino-Center (auch mit original englischsprachig vertonten Filmen) auf der Insel beherbergt. Zum Meer hin wurde eine künstliche Seenlandschaft mit künstlichem Strand, gesäumt von einem schönen Garten, angelegt. Die Sehenswürdigkeiten Der Hauptanziehungspunkt ist der alte Verteidigungsturm, das so genannte “Castillo”. Er war nach seiner Fertigstellung 1740 mit zwei Eisenkanonen ausgestattet worden, aus denen aber nie ein Schuss abgegeben wurde. Der Turm wurde zum Glück für die Bewohner nie benötigt, da keine weiteren Piratenüberfälle mehr stattfanden. Ähnlich funktionslos wie damals ist das Castillo auch heute: Es ist in die Clubanlage von Barceló integriert und dient hinter dem Swimmingpool als fototrächtige Kulisse. Besichtigen kann man ihn derzeit leider nicht, aber im Inneren befindet sich auch nichts sonderlich Sehenswertes. Das soll sich aber bald ändern, denn die Tourismusbehörde plant, den Turm als Museum und Ausstellungsraum herzurichten. Dazu müssen jedoch noch Verhandlungen mit Barceló geführt werden, da das Bauwerk sich auf deren Grundstück befindet. Piraten Fuerteventura hatte in seiner bewegten Geschichte einige Male mit Piraten und Korsaren zu kämpfen: Die ersten Überfälle durch Piraten sind als Gegenschläge zu den Sklavenfangexpedition einzuschätzen, welche ab 1467 unter Diego García Herrera (später taten es ihm sein Sohn und dessen Nachfahren, die Familie Saavedra gleich) stattfanden. Dabei sollen schätzungsweise 1000 Nordafrikaner erbeutet worden sein. Aus Rache plünderten und brandschatzten vor allem nordafrikanische Seeräuber unter Xabán Arráez die Insel. Im Jahre 1593 legten sie die damalige Hauptstadt Betancuria in Schutt und Asche und zündeten die Felder in großem Umkreis an.
Auch britische Freibeuter fielen gelegentlich auf
Fuerteventura ein. Im 18. Jahrhundert waren es englische Korsaren,
welche die Spanier zermürben sollten. Die Engländer wollten die
strategisch wichtigen Kanaren besetzen und kaperten so zunächst Schiffe,
um den Güterverkehr lahm zu legen und ließen danach einige Orte durch
die Korsaren überfallen. Ein gut ausgerüstetes Invasionskorps konnte
nach einem Angriff auf Tuineje aber zurückgeschlagen werden und ein
zweiter Stoßtrupp zwei Wochen später wurde sogar bis auf den letzten
Mann getötet. Im Anschluss ließ man die beiden Wehrtürme in El Cotillo
und Caleta de Fustes bauen, sie wurden jedoch nicht mehr benötigt, da
weitere Angriffe ausblieben. Zum Glück, denn die jeweils 4 Milizionäre,
welche die Türme besetzten, wurden nicht besoldet und kümmerten sich
daher meist mehr um ihre kleinen privaten Felder.
Im Hafenbecken befinden sich verschiedene Boote unterschiedlichster
Preisklasse, darunter auch einige größere Atlantiksegler. Besonders die kleinen Gäste zeigen bei Oktopus oder Rochen wenig Berührungsängste. Direkt an der kleinen Promenade, an der auch der “Minitren” hält, der durch ganz Caleta de Fustes fährt, liegt ein altes Piratenschiff, mit gerefften, rötlichen Segeln. Der echte Papagei darf an Bord natürlich auch nicht fehlen und lässt die Erinnerungen an Pipi Langstrumpf und das Taka-Tuka-Land bei den kleineren Besuchern oder bei den etwas reiferen Herren und Damen an die zahlreichen Korsarenfilme mit Erroll Flynn aus den 40ern und 50ern zurückkommen. Auf dem Schiff finden nach den Vorführungen Fotosessions mit dem Star des Oceanariums, Harley, einem dressierten Seelöwen statt. Oft begleitet er die Bootsausflüge bis ins offene Meer hinaus. Wenn er auch nicht gerade wie einer der angesprochenen Schauspieler aussieht, so stellt er sich aber gerne für ein Küsschen zur Verfügung. Etwas weiter außerhalb, direkt vor dem Einkaufscenter Atlántico, befinden sich zwei restaurierte Kalköfen sowie ein dazugehöriges Lager- und Wohnhaus. Leider fehlen hier Informationstafeln, aber man kann auf die Öfen hinaufklettern und den Schlot hinuntersehen. Doch wenn man nicht einen Berg aus Müll sehen möchte, sollte man den Blick lieber lassen. Shoppen und (andere) 'sportliche Aktivitäten' Caleta de Fustes bietet wie jeder typische Urlaubsort zahlreiche Möglichkeiten der geistigen und körperlichen Zerstreuung. Da wir bereits das "Centro Comercial Atlántico" angesprochen haben, bleiben wir bei den zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten, die der Ferienort bietet. Hierbei hat man die Qual der Wahl: Das modernste und neueste Zentrum ist das oben angesprochene Atlántico, welches neben dem großen Kino-Center mit sechs Sälen noch zahlreiche Boutiquen und Geschäfte, eine Parfümerie, einen großen PADILLA-Supermarkt, einen Spielsalon, eine Bowlingbahn und natürlich diverse Cafés, Restaurants und Bars beherbergt. Genügend Parkplätze bietet u.a. das große unterirdische Parkhaus.
Weitere Shopping-Centers: Möglichkeiten zum Einkaufsbummel bietet Caleta de Fustes also reichlich, doch das Shoppen bedeutet ja gerade für den männlichen Teil der Bevölkerung eher Anstrengung als Entspannung. Daher sei es uns als Angehörige des männlichen Geschlechts verziehen, wenn wir im gleichen Atemzug andere “Sportmöglichkeiten” in Caleta de Fustes nennen: Sport Direkt an der Strandpromenade befindet sich die Surfschule “Fanatic Fun Center”. Der Strand von Caleta de Fustes eignet sich wegen der geschützten Bucht ideal für Surf-Anfänger. Neben Materialverleih und Unterrichtsstunden (auch auf deutsch) bietet das Surfcenter einen speziellen Family-Tarif: Paare mit kleinen Kindern können sich die Stunden teilen, so dass jeweils ein Elternteil auf das Kind aufpassen kann, während der andere auf dem Wasser ist. In unmittelbarer Nähe kann man Jetskis mieten oder Schnorcheltrips buchen. Wer noch tiefer in die unbekannte Welt des Ozeans hinabtauchen möchte, der ist beim Dive Center “Deep Blue” genau richtig: An 365 Tagen im Jahr werden Kurse (auch auf deutsch) oder einzelne Tauchgänge an etwa 16 verschiedenen Tauchplätzen, den so genannten “divespots” angeboten.
Bootstouren bietet das “Oceanarium” auf dem angeblich größten Katamaran
der Welt. Entweder kann man für gut zwei Stunden auf dem Sonnendeck
relaxen, nach frei lebenden Delfinen und Walen Ausschau halten oder
einfach die schnelle Fahrt des Bootes Am Yachthafen lassen sich zudem noch Jetskis, Tretboote, Kajaks und Paddelboote mieten. Auch spaßige Fahrten auf der “Banane” werden angeboten.
Mountainbikes oder Motorräder können bei “Moto MMI” bei der
Apartmentanlage “Puerto del Sol”, die im Norden Caleta de Fustes liegt
(also im Teil “El Castillo”), gemietet werden. Dem Wanderfreund bietet
die Informationsbroschüre des Tourismusbüros einige Routen als Vorschlag
an (darunter den Pilgerpfad von Antigua nach Betancuria). Ansonsten
empfehlen wir die interessante Wanderung in den “Barranco de la Torre”
(siehe weiter unten!), oder für erfahrenere Hiker den Aufstieg auf den
“Rosa del Taro” (siehe weiter oben!) oder auf die 461 Meter hohe
“Caldera de Gairía” (manchmal auch als “Caledera de Agua de Bueyes”
bezeichnet). Festes Schuhwerk ist für alle Touren wegen der
Untergrundbeschaffenheit empfehlenswert. Golf Wer es etwas komfortabler mag, dem bietet der “Fuerteventura Golf Club” die Gelegenheit, seine Künste in der Sportart Bernhard Langers unter Beweis zu stellen. Für die 18 Löcher auf dem Par 70-Cours muss man aber auch mehr als 6 Kilometer hinter sich bringen, es sei denn, man mietet sich einen Caddy-Wagen. Der herrliche Platz mit drei künstlichen Seen und mehreren Bächen ist in bestem Zustand und verfügt zusätzlich über eine Driving Range sowie ein Putting Green, um sein Lochspiel zu verbessern. Der Parcours endet am Clubhaus mit Restaurant, Bars und großer Terrasse. Wer nach so viel Sport Entspannung braucht, muss in Caleta de Fustes nicht lange suchen: Das “Thalaventura” in unmittelbarer Strandnähe ist eine Wellness-Therme, wo man neben einem Meerwasserbecken, Whirlpools und einer Saunalandschaft auch Massagen oder sonstige Anwendungen in Anspruch nehmen kann. Gastronomie
Caleta de Fustes bietet für jeden Gaumen etwas. Kinder werden
wahrscheinlich den Eltern mit dem Wunsch in den Ohren liegen, die auf
Fuerteventura einzigen Franchisebetriebe der großen Fast-Food-Ketten
“McDonalds” und “Burger King” aufzusuchen. Etwas teurer, aber sehr gut ist das Restaurant “Puerto Castillo”, direkt am Yachthafen. Gehen Sie einfach abends die Treppe im Kuppelturm hoch. Sehr gute Kaffee- und Kuchen-Variationen bietet das “Café Mozart” im “Centro comercial Atlántico”. Von dessen Terrasse, auf der auch andere Restaurants und Cafés beheimatet sind, hat man auch einen herrlichen Ausblick auf die Bucht und den künstlichen See.
Am Abend bietet sich zum Flanieren und Einkehren die Straße “Juan Rámon
Soto Morales” an, an der auch das Büro der Echt kanarisch hingegen ist die Küche des “Típico Canario” im Einkaufscenter “El Castillo”. Nachtleben Ähnlich wie bei den Restaurants bietet auch das Nachtleben von Caleta de Fustes für jeden Geschmack etwas: Die Vielzahl von britischen Kneipen und Pubs mit ihren Sportübertragungen sind da nur ein Beispiel. Am Abend bieten die meisten Karaoke oder Livemusik an. Sehr zu empfehlen für Oldie-Liebhaber ist die Bar “The Cavern” am Yachthafen. Hier spielt fünfmal die Woche Frank Young, der vielen noch als Mitglied der legendären Hermans Hermits (mit ihrem Hit “No milk today”) in Erinnerung sein dürfte. Hier tummelt sich ein gemischtes Publikum bis spät in die Nacht. Gehen Sie hin und schwingen Sie das Tanzbein oder schauen Sie einfach zu, wie Frank Young die Menge zum Toben bringt. Gegenüber dem Einkaufszentrum “Castillo Centro” haben sich die beiden zur Zeit sehr angesagten Kneipen “Havana Bar” und “Tequila Bar” angesiedelt. Hier trifft sich vor allem das jüngere Publikum zu Cocktails, Bier und eben Tequila. Bei den Einheimischen ist zu fortgeschrittener Stunde der Pub “Whikis” im Untergeschoss des Centro Comercial “Castillo Centro” beliebt. Ansonsten wird man schnell selbst fündig. Die jüngste Entwicklung und die Planung für die Zukunft Im Moment kommen im Jahr etwa 120.000 Urlauber nach Caleta de Fustes, die Zahl der Betten stieg auf 16.000 an. Eine riesige Zahl, wenn man bedenkt, dass die erste Hotelanlage erst 1981 fertig gestellt wurde.
Diese Bedeutung des Tourismus für den gesamten Gemeindebezirk zeigt sich
daran, dass etwa 80% der Einnahmen des Verwaltungsgebietes direkt oder
indirekt aus dem Fremdenverkehr stammen. Diese Bedeutung des Tourismus
zeigt sich auch an den Zahlen auf dem Arbeitsmarkt: Im Jahre 2002 gab es
im Verwaltungsbezirk Antigua gut 3000 Stellen, wovon knapp 74 % dem so
genannten Tertiären Sektor angehörten, also alle Dienstleistungsberufe,
die Verwaltung, das Banken- und Versicherungswesen. Die heutigen Besucher von Caleta de Fustes können sich überall mit eigenen Augen davon überzeugen, dass die Siedlung weiter wächst: Der Hügel “Montaña Blanca de Abajo” wird seit 2004 mit neuen Apartmentkomplexen in Beschlag genommen, inzwischen sind die Bagger schon bis zum Gipfel vorgedrungen. Von hier oben lassen sich andere riesige Baustellen ausmachen. Neben dem “Centro comercial Atlántico” entstehen gleich zwei neue Hotels der gehobenen Klasse: Sheraton baut hier das “Gran Hotel Lucia” und nebenan baut die Elba-Hotelkette mit dem “Hotel Carlota” ein weiteres Haus. Sheraton gehört zum amerikanischen Starwood-Konzern, der in den letzten Jahren verstärkt auf den spanischen Markt drängt. In Caleta de Fustes hat Starwood eine Kooperation mit “Anjoca”, der “Mutter” der Elba-Hotels, abgeschlossen und nutzt ab der voraussichtlichen Eröffnung ihres Hauses Ende 2005 auch den Golfplatz und alle weiteren Anlagen von Anjoca. Auf dem gut 2 Millionen m² großen Areal dieses Konzerns stehen also in Zukunft 4 Hotels (ein Sheraton und drei Elba-Hotels, darunter das edle 5-Sterne-Golf-Hotel) sowie zahlreiche Apartments und Villen, die zur Zeit auf und um den Golfplatz gebaut werden. Diese zum Teil exquisit ausgestatteten Häuser werden an Privatleute verkauft, die in der Regel aber nicht dauerhaft in Caleta de Fuste wohnen werden. Hauptklientel sind zur Zeit Engländer und Iren. Aber auch immer mehr Deutsche finden Gefallen an den äußerst interessanten Projekten.
Das Gesamtvolumen der Investitionen wird auf 600 Millionen Euro
geschätzt, der Bau des Sheraton-Hotels schlägt dabei mit etwa Die Bucht ist in Zukunft durch eine lagunenartige Felsformation geschützt. In dem so entstandenen Becken wurden zwei “Inseln” stehen gelassen, die derzeit durch eine Holzbrücke mit dem Festland verbunden werden. Die Baugenehmigung dafür kam ebenfalls aus Madrid, so dass man im Bürgermeisteramt bisher noch nicht einmal die geplante Nutzung des ebenfalls im Bau befindlichen Pavillons auf der größeren Insel kennt. Auf Seiten von Anjoca spricht man von so genannten “Beach-Clubs”, also wird hier eine hoteleigene Bar oder ein kleines Restaurant Platz finden.
Die massive Umgestaltung des Landstriches rief verständlicherweise die
Umweltschützer auf den Plan. Dank heftiger Proteste erzielten sie
zumindest einen Teilerfolg, denn etwa 30.000 m² der Bucht dürfen nicht
mehr bebaut werden, da hier zum Einen die oben erwähnten Kalköfen stehen
und zum Anderen eine bestimmte Muschelart in dem Bereich geschützt
werden muss. Stellt man sich, nach der geplanten Fertigstellung zum Januar oder Februar 2006, den Blick auf die beiden grünen Golfplätze vor, muss diese künstlich bewässerte Oase gerade den einheimischen Landwirten aufgrund der immensen Kosten für die Bewässerung ihrer Felder wie eine Fata Morgana erscheinen.
Gott sei Dank hat man den Betreibern die eigentlich geplante Bebauung
des küstennahen Abschnitts in Richtung Las Salinas Die Förderung dieser Bauvorhaben hat aber einen ganz bestimmten Hintergrund: So gilt eine Feriendestination wie Fuerteventura erst dann offiziell als Ziel für Golfsportler, wenn sie fünf verschiedene Golfplätze vorweisen kann. Mit den geplanten Plätzen bei Corralejo, in Jandía Playa und Playa Esquinzo wäre die Insel bereits bald bei fünf Plätzen und könnte somit auf mehr wohlhabende Feriengäste hoffen. Hierbei würde ein Name wie “Sheraton” natürlich für ein entsprechendes Prestige sorgen, was sich vor allem auf den begehrten US-amerikanischen Markt auswirken dürfte.
Ein weiteres, kleineres Bauvorhaben ist am Hauptstrand vorgesehen: Da an
der Südspitze vermehrt Probleme mit größeren Steinen aufgetreten sind,
soll dieser Abschnitt in naher Zukunft unter großem Maschineneinsatz
verändert, sprich die Steine abgetragen und neuer Sand aufgeschüttet
werden. Zudem sollen Duschmöglichkeiten am Strand geschaffen werden. Javier Rodriguez von der Tourismusbehörde der Gemeinde meinte zu diesem Thema, dass die beiden Orte über kurz oder lang zusammenwachsen werden. Eine Promenade sowie eine Teerstraße verbinden die Gemeinden schon, ein Fahrradweg soll folgen und auch der Minizug soll das frühere “Nuevo Horizonte” anfahren. Eine weitere Straße, die von “Costa de Antigua” parallel zur Durchfahrtsstraße nach Caleta de Fustes (und später bis Las Salinas) führt, ist in Planung. Der Korridor zwischen den beiden Orten soll aber nicht mit Hotels oder Apartmentkomplexen zugebaut werden. Diesen Abschnitt hat man sich für einen großen Freizeitpark reserviert, wobei aber noch keine genaueren Planungen vorliegen. Es darf also noch spekuliert werden, ob vielleicht ein Wasserpark oder ein Ozeanpark (wie einige Überlegungen lauten) hier angesiedelt werden soll. Auch der dann angestrebte fünfte Golfplatz scheint ein Thema zu sein. Damit wären die beiden Siedlungen miteinander verschmolzen, ob sich dann wieder etwas an der Namensgebung ändert, bleibt mit Spannung abzuwarten...! Eine der wichtigsten Änderungen bezüglich der Verwaltung und Entwicklungsplanung der Region fand vor wenigen Jahren statt: Eine Gesellschaft, bestehend aus Vertretern der Gemeindeverwaltung und der örtlichen Wirtschaft, wurde ins Leben gerufen, wobei letztere die Mehrheit im Entscheidungsgremium besitzen. Dieses “Centro de iniciativas turísticas de Costa Caleta” hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Ferienregion voranzutreiben und so für einen finanziellen Segen für Unternehmern und die Gemeinde zu sorgen.
Diese Art der
Öffentlichkeitsarbeit ist einzigartig auf Fuerteventura, die enge
Verbindung von Wirtschaft und Rathaus soll Entscheidungen schneller und
leichter machen. Ergebnis ist ein umfassender Entwicklungsplan, dessen
Hauptaugenmerk auf 30 Punkte gelegt ist, die das Municipio Antigua bis
2007 zu einem noch beliebteren und attraktiveren Feriengebiet machen
sollen. Ein wichtiger Aspekt der Zusammenarbeit liegt bei der Unterstützung kleinerer Unternehmen sowie einem Fortbildungsangebot für Angestellte und Arbeiter, um den Service zu verbessern. Eine interaktive Homepage und ein eigenes TV-Programm runden das Konzept ab. In dem Plan, der sich bei genauerer Betrachtung eher als Leitfaden herausstellt, bleiben Fragen der Umsetzung jedoch offen, weshalb abzuwarten bleibt, wie genau man die Vorhaben verwirklichen kann und wird. Insbesondere die Ausweitung der Sprachkenntnisse von Polizei und Servicepersonal dürfte nicht leicht umzusetzen sein. Jedoch lassen verschiedene Bauprojekte die Hoffnung zu, dass die lobenswerten Ansätze der Stadtplanung Wirklichkeit werden könnten. Zu diesem Projekt gehört auch die Schaffung einer “Plaza”, eines großen Platzes in der Nähe des Einkaufszentrums “El Castillo”, der 2007 fertig gestellt werden soll. Langfristig will das Ayuntamiento zwar mehr Touristen in die Region locken, die Anzahl der Betten soll aber nach der Fertigstellung der letzten Projekte nicht mehr weiter erhöht werden. Da die Besucherzahlen in den letzten Jahren zurückgingen, versucht man nun anhand dieses Leitfadens, den Urlaubern mehr zu bieten. Für die Verantwortliche für den Fremdenverkehr von Antigua, Doña Ibiza Melián Reyes, ist es dabei besonders wichtig, die Identität der Region herauszuarbeiten und zu promoten.
Die Planungen, insbesondere den zweiten Golfplatz betreffend, lassen
darauf schließen, dass ein zahlungskräftigeres Publikum Es bleibt abzuwarten, wohin der Besuchertrend bezüglich der Herkunft der Urlauber geht: Waren es vor einigen Jahren etwa 40% deutsche Urlauber, macht dieser Anteil heute, zusammen mit einigen wenigen Spaniern und in jüngster Zeit auch Italienern, lediglich noch 20 % aus. Den Bärenanteil mit knapp 80% stellen die britischen Urlaubern, was auch die Vielzahl an englischen Pubs erklärt. Ein weiterer wichtiger Planungsaspekt für die Zukunft der Region ist die Erhöhung der touristischen Attraktivität für Familien. Hierzu sollen zwei Kindergärten sowie eine Schule geschaffen werden. Letztere soll Teil eines 100.000 m² großen Areals werden, das sich auf der nördlichen Seite von Caleta de Fustes 2, also am Montaña Blanca de Abajo befindet. Hier sollen zudem Gebäude der Stadtverwaltung, eine Bibliothek sowie das Polizeirevier Platz finden. Wer also das heutige Caleta de Fustes kennt und in 10 Jahren wieder kommt, der dürfte die Urbanisation genau so wenig wieder erkennen wie jemand, der das letzte mal Mitte der 90er in der Region unterwegs war. LAS SALINAS DEL CARMEN Wenige Kilometer südlich von Caleta de Fustes liegt das kleine Örtchen Las Salinas. Die kurze Distanz zwischen den beiden Orten kann man südlich der Playa del Castillo auch auf dem durch EU-Gelder finanzierten Rad- und Fußweg “La Guirra” zurücklegen. Eine Anstrengung, die sich durchaus lohnt, denn schon nach kurzer Zeit trifft man auf die weiter oben angesprochene restaurierte Kalkbrennerei. Danach führt der Weg weiter an der felsigen Küste entlang und an einem weiteren Kalkofen vorbei nach Las Salinas del Carmen (kurz “Las Salinas”). Der kleine Fischerort besteht aus etwa dreißig Häusern, die sich meist am Hang oberhalb des kleinen, meist wenig bevölkerten Strands befinden. Doch der Sprung ins kühle Nass ist nicht der Hauptgrund, warum man einen Abstecher nach Las Salinas unternehmen sollte: Schon von der Hauptstraße fällt dem aufmerksamen Betrachter eine sonderbar wirkendes Areal mit zahlreichen abgetrennten Becken auf. In einigen steht Wasser, an den Rändern von anderen kann man kleinere oder größere weiße Kegel ausmachen. Salinen
Das sind die “Salinas de El Carmen”, eine Anlage, die seit etwa 1910 zur
Entsalzung von Meerwasser dient und die dem Ort seinen Namen gab. Es
wird vermutet, dass schon die Ureinwohner Fuerteventuras die
Salzressourcen aus mehreren natürlichen Verdunstungsbecken zu nutzen
wussten, um getrocknetes Fleisch länger haltbar zu machen. Später
errichteten die Spanier mehrere Salinen, wobei die Salinas de El Carmen
die einzig noch erhaltenen und sogar betriebsfähigen Salzpfannen der
Insel sind. Die Arbeit teilen sich drei so genannte Salzsieder, darunter Jesus und Raimundo, die seit 8 bzw. 4 Jahren hier ihren Dienst tun, dessen Ablauf sie uns wie folgt beschreiben: Zunächst rühren sie die zu Beginn noch feine Salzschicht zweimal täglich um und, wenn kaum noch Wasser in den Becken ist, fangen sie an, das Salz mit ihren Rechen vom Grund zu holen und es zum Abtropfen nach und nach zu immer größeren Salzkegeln anhäufen. Befinden sie das Salz für ausreichend getrocknet, bringen sie es zum nebenstehenden Lagerhaus, wo es für Groß- und Kleinkunden in Säcke abgefüllt wird. Hauptabnehmer war früher eine Fischfabrik in Puerto del Rosario, die damit Sardinen haltbar machte. Diese wurden auf das spanische Festland und auch nach Lateinamerika exportiert. Die Entwicklung der Tiefkühlung machte das Salz zur Konservierung aber überflüssig Als zudem noch 1988 die Fischfabrik geschlossen wurde, war die Salzgewinnung auf Fuerteventura eigentlich kaum noch rentabel. Durch EU- und UNESCO-Gelder konnten die Salinen erhalten und neu instand gesetzt werden. Heute sind es vor allem Restaurants, die einen Grossteil der Produktion abkaufen, um Einheimischen und Besuchern die bekannten “Papas arrugadas” (in Meersalz gedämpfte Kartoffelspezialität, wird mit den inseltypischen “Mojo-Saucen” gereicht) servieren zu dürfen. Wer das hier hergestellte weiße Gold probieren möchte, der kann kleine Portionen im höher gelegenen Salzmuseum kaufen, welches erst im Mai diesen Jahres seine Pforten geöffnet hat. Das nicht gerade geringe Eintrittsgeld von 6 Euro (Kinder bis 12 Jahren frei) lohnt sich aber vollauf, denn in drei Räumen führt man den Besuchern die mühsame Art der Salzgewinnung sehr anschaulich vor Augen. In dem teils interaktiven Museum kommen weder die Entstehung noch die frühere Bedeutung des Salzes zu kurz. Hierbei wird Salz jedoch nicht nur als Ware betrachtet, sondern auch seine Funktionen in Mythen, im Aberglauben sowie in Religionen (als Opfergaben), Riten und Bräuchen (wie bei den Sumo-Ringern in Japan) beleuchtet. Eingefleischten Fuerte-Fans dürfte das Salz auch schon an den Himmelfahrts-Prozessionen auf dem Eiland begegnet sein, wo es, bunt gefärbt, beispielsweise in Antigua für prächtige Teppiche auf Straßen oder Hügeln genutzt wird und die auf anderen Inseln oder Ländern benutzten Blumen ersetzt, welche ja hier nicht gerade häufig vorkommen.
Wer sein Liebesleben aufpeppen möchte, dem empfiehlt das Museum — na
klar — Salz: Der Glaube daran, dass das weiße Pulver ein Aphrodisiakum
darstellt, zeigt sich schon an der griechischen Göttin Aphrodite, die
nicht nur die Göttin der Liebe, sondern eben auch des Salzes war.
Vielleicht kommt daher ja auch die alte Weisheit, dass ein verliebter
Koch das Essen versalzt... Kalkbrennöfen Kalk gibt es in größerem Maße auf den Kanaren nur auf Fuerteventura. In der Regel handelt es sich dabei um einen fossilen Strand oder Meeresboden, der durch tektonische Hebung heute über dem Meeresspiegel liegt. Kalk war Jahrhunderte lang ein wichtiges Ausfuhrprodukt und wurde zur Düngung der Felder und zum Häuserbau verwendet.
Es existieren zwei Arten von Brennöfen, die industriellen, die mit Kohle
betrieben und ab dem 19. Jahrhundert eingesetzt wurden, oder die
individuellen, die mit Holz befeuert wurden. Durch die letzteren kam es
zur Abholzung der natürlichen Vegetationsdecke auf Fuerteventura, leider
ohne Wiederaufforstung. Es gibt runde, quadratische oder rechteckige
Öfen unterschiedlichster Größe. Wal-Skelett Nördlich vom Strand, direkt hinter den Entsalzungsbecken, steht ein ausgestelltes Walskelett, welches man, vom Süden kommend, schon von der Hauptstraße ausmachen kann. Das etwa 19 Meter lange Säugetier wurde am 15. April 2000 in der Nähe von Majanicho im Nordwesten Fuerteventuras angeschwemmt. Anschließend wurde das 60-Tonnen-Weibchen von der Organisation “Canaria Conservation” mumifiziert, präpariert und restauriert. Nach drei Jahren Arbeit wurde das Skelett dann an seinen jetzigen Standort gebracht. Der Grund für das häufige Verenden dieser Tiere an den kanarischen Küsten ist nicht eindeutig bekannt, aber mehrfach wurde der Gebrauch von Sonargeräten bei Militärübungen an den Küsten der Kanarischen Inseln mit dem Massensterben von Delfinen und Walen in Verbindung gebracht (wir berichteten in der letzten Ausgabe). Auch die zunehmende Meeresverschmutzung, insbesondere durch Chemieabfälle, bedrohen die Tiere. Wer nach dem vielen neuen Wissen eine Stärkung benötigt, kann ins “Los Caracolitos” einkehren, ein preiswertes Lokal, das vor allem für seine Langusten bekannt ist, aber auch sehr gute Tapas anbietet, oder man kann weiterfahren über die staubige Piste (Geländewagen oder Mountainbike) Richtung Süden nach Puerto de la Torre, wo Schiffe einst Kalk an Bord nahmen. Der kleine, dunkelsandige und leicht kiesige Strand lockt an den Wochenenden vor allem Einheimische. Unter der Woche wirkt die Ansammlung von Wohnwagen, verfallenen Häusern und provisorischen Behausungen eher wie eine Geisterstadt. Auch der Turm (spanisch “torre”), der dem Örtchen seinen Namen gibt, ist von Küstenseite kaum noch als solcher auszumachen, vom Land her betrachtet, gibt er aber ein schönes Fotomotiv ab. Auf den umliegenden Hügelketten und in Küstennähe fallen einige flache Bauten ins Auge: Hierbei handelt es sich um Bunker aus dem 2. Weltkrieg, die von Franco aus Angst vor einer Invasion der Alliierten errichtet wurden. Barranco de la Torre Wer ein etwas anderes Fuerteventura mit allen Sinnen erleben möchte, dem empfiehlt sich eine Wanderung in den “Barranco de la Torre”. Das ausgetrocknete Flussbett, durch das eine Piste zu weiter im Hinterland liegenden Fincas und Ziegenfarmen führt, zeigt, wie sporadisch anwesendes Wasser den fruchtbaren Boden ergrünen lässt.
Gesäumt von
Palmen, die von weither betrachtet das Flair einer Wüstenoase entstehen
lassen, führt der Weg weiter an einem alten Brunnen und einigen, meist
aufgelassenen Feldern vorbei. Auf der rechten Seite wird der Barranco
von einer Felswand begrenzt. Hier lassen sich sehr schön die Kräfte der
Natur sehen und spüren, denn der Basalt (aus der zweiten Eruptionsserie
von vor 2,4 bis 2,9 Millionen Jahren) hat sich hier zu so genannten
Basaltsäulen verformt. Die Trennflächen zwischen den einzelnen Säulen
entstehen dadurch, dass die heiße Lava ein größeres Volumen als das dann
erkaltete Basaltgestein hat. Bei der Abkühlung der Lavamassen entsteht
daher eine Zugspannung. Ist diese groß genug, reißt das Gestein in
dieser sehenswerten Form auf. An der Felswand sieht man neben vielen nistenden Vogelarten zahlreiche der nordafrikanischen Erdhörnchen, die man fast überall auf Fuerteventura antrifft. Bis in die 60er Jahre waren sie nicht heimisch, doch ein seinem Besitzer “ausgebüchstes” Pärchen vermehrte sich so rasch, dass die Vielzahl dieser Pflanzenliebhaber heute die ohnehin spärliche Inselvegetation bedroht.
COSTA ANTIGUA Alleen sind auf Fuerteventura ja eher eine Seltenheit. Umso mehr staunt das Auge des Besuchers, wenn er durch einen der zahlreichen Kreisverkehre nördlich von Caleta de Fustes fährt. Biegt man nämlich in Richtung Küste ab, so fährt man, gesäumt von Pinien, direkt auf die Feriensiedlung “Costa de Antigua” zu. Dabei handelt es sich um eine recht junge “Retortengemeinde”, die vom Municipio Antigua (zunächst noch unter dem Namen “Nuevo Horizonte”) als ein zweites Caleta de Fustes geplant wurde. Der erste Spatenstich wurde vor 15 Jahren vorgenommen. Bisher sind 15 der geplanten 25 Bauvorhaben umgesetzt worden. Der Grund dafür, dass sich die Fertigstellung so lange hinzieht, lag an einigen Problemen, die im Laufe der Zeit auftraten: Einige der Bauherren gingen bankrott, so dass deren teilweise schon begonnene Bauvorhaben einige Zeit brach lagen. Vor wenigen Jahren kam es bei der geplanten Umstrukturierung und Erweiterung der Siedlung zu einem handfesten Skandal (wir berichteten in der vorletzten Ausgabe): Bauunternehmer und auch Volksvertreter sollen sich durch Insiderwissen und Schmiergeldzahlungen bereichert haben, die Spekulation mit dem teuren Boden brachte diesen enormen Profite. Das ganze flog auf, als ein leer ausgegangener Unternehmer die Bombe zum Platzen brachte. Die Vorwürfe gegen die Verwaltungsbeamten und auch den Bürgermeister des Kreises lauteten auf Annahme von Bestechungsgeldern in Höhe von 2 Mio. Euro, Bestechung, Vorteilsnahme, Betrug und Amtspflichtverletzung. Bis zu vier Jahre Gefängnis forderte der zu-ständige Staatsanwalt. Das endgültige Urteil steht noch aus. Das daraus und aus der Bauverzögerung resultierende Negativimage des Projektes verleitete die Behörden zu dem Namenswechsel von “Nuevo Horizonte” in “Costa de Antigua”, doch der alte Name ist immer noch auf einigen Straßenschildern zu lesen. Leider hat man bei der Planung vielleicht außer Acht gelassen, dass die Mehrheit der Urlauber das Strandleben nach Fuerteventura zieht, denn eine Bademöglichkeit gibt es an dieser Küste nicht, sieht man mal von einer künstlichen Badelandschaft ab, die aber erst mal bis auf weiteres geschlossen hat, demnächst aber durch einen neuen Betreiber wieder eröffnet werden soll. Trotzdem überrascht der Ort, in dem jetzt wieder überall rege Baubetriebsamkeit herrscht, durch die stilistischen Unterschiede der schon fertigen Apartment- und Bungalowkomplexe. Die vielen, zum Teil etwas verwirrenden Straßen lockern die Bebauung merklich auf, den schon anwesenden Gästen bietet sich eine Vielzahl von (vor allem britischen) Kneipen, dazu Supermärkte und Bäckereien. Ein Centro Comercial befindet sich im Bau. Schon fertig gestellt wurde dagegen die sehr schöne, am Abend durch eine Vielzahl von Laternen beleuchtete Promenade ins benachbarte Caleta de Fustes sowie eine kleine Verbindungsstraße. Eine zweite Avenida nach Caleta de Fustes gehört ebenso zu den Entwicklungsvorhaben wie der Bau eines Kindergartens, der Costa de Antigua für dauerhafte Residenten interessanter machen soll. Ein Problem gab es in der Vergangenheit öfter mit der hohen Kriminalitätsrate. Verstärkte Polizeipräsenz und Kontrollen sollen dem aber ein Ende bereiten. Liebe Leserinnen und Leser, wir hoffen, wir konnten Ihnen diese abwechslungsreiche Region etwas näher bringen und Ihr Interesse an den Planspielen für die Zukunft der Gegend wecken. Einige der Entwicklungen lassen die Hoffnung zu, dass ein Großteil der Insel weiter so liebenswert bleibt wie bisher, andere Projekte scheinen manchmal eher überflüssig oder negativ, doch muss man auch bedenken, dass der Erhalt der Tradition und der Kultur in der heutigen Zeit sehr kostenintensiv ist. Diese finanziellen Mittel können fast nur über den Ausbau der touristischen Infrastruktur in die Kassen der Inselregierung und der Gemeinden kommen. So schaffen neue Hotels und Golfplätze weitere notwendige Arbeitsplätze in der Region, die daraus resultierenden Steuern können bei sinnvoller Verwendung dann sowohl Einheimischen als auch Touristen zugute kommen. Projekte wie die Verschönerung der Plazas oder das Salzmuseum sind ein gutes Zeichen dafür. Die vorgestellte Region liegt also im Spannungsfeld zwischen Erhalt von traditionellem Erbe und den Notwendigkeiten weltwirtschaftlicher Verstrickungen. Besuchen Sie diese spannende Gegend und bilden Sie sich selbst ein Urteil.
Viel Spaß auf Ihrer persönlichen Entdeckungstour wünscht Ihnen Ihr
Fuerte Fan Magazin!
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