Aktuelle Fuerteventura Kurznachrichten

(zusammengestellt am 17.09.2003)

Lehrmittelfreiheit? — In Spanien ein nicht nachvollziehbares Phänomen der finanzstärkeren mittel- und nordeuropäischen Länder...

¡España va bien!’ - ‘Spanien geht es gut!’, so die sich gebetsmühlenartig wiederholende Aussage des spanischen Staatspräsidenten während seiner andauernden Legislaturperiode. Damit meint er aber bestimmt nicht den fundamentalen Motor, eine gut gehende Wirtschaft durch Bildungsförderung nachhaltig zu stabilisieren.

Was man in anderen Ländern schon vor vielen Jahrzehnten erkannt hat, nämlich dass Bildung nicht vom Geldbeutel der eltern abhängen darf, ist bis nach Spanien noch nicht vorgedrungen. Wie sonst ist zu erklären, dass, abgesehen von den ungenügenden schulischen Einrichtungen — besonders auf Fuerteventura — man in Spanien, trotz einer in den letzten Jahren aufstrebenden Konjunktur, das Wort ‘Lehrmittelfreiheit’ für Politiker nach wie vor ein Fremdwort zu sein scheint?

Gerade jetzt, in der letzten Phase der Sommerferien, müssen viele Eltern bereits einen großen Teil ihres Einkommens beiseite legen, um die immensen Kosten für Schulkleidung, Bücher und sonstige Lehrmittel bezahlen zu können. Je nach Ort und dem Vorhandensein - oder eben nicht - von einer Art ‘Vorschule’ für Kleinkinder ab drei Jahren, bewegen sich die Ausgaben zwischen 72 Euros für jene und 500 Euros für Schüler, die ein Gymnasium besuchen — pro Schüler! Das sind lediglich die Ausgaben für das Allernotwendigste am ersten Schultag, Nicht mit eingerechnet sind die weiteren Ausgaben für Schreib- und Malwerkzeuge, Transportkosten, Mensa, etc... !

Die Preise für den gleichen Kurs (Schuljahr) können auch von Schule zu Schule variieren. Nachforschungen ergaben, dass beispielsweise die Erstinvestitionen für die Eltern der Kinder, die die zweite Schulklasse besuchen werden, an zwei verschiedenen Schulen auf Fuerte in der ersteren mit 56 Euros und an einer anderen mit 120 Euros zu Buche schlagen. Dazu kommt eine ständige jährliche Änderung der benötigten Lehrmittel, vor allem der Bücher, da den Lehrern die Auswahl der Schulbücher obliegt. Das heißt, die Bücher des vergangen Schuljahres kann man getrost ins Regal stellen und anstauben lassen. Ärgerlich für Familien mit mehreren Kindern oder auch für Schüler, die eine ‘Ehrenrunde’ drehen dürfen und die Klasse wiederholen müssen. Ständige Änderungen, Neuerungen, Umstrukturierungen oder ein anderes Titelblatt treiben die Ausgaben unnötig in die Höhe.

Mit aus diesem Grund ist es für viele Schüler,  unabhängig von ihren schulischen Leistungen und ihrem IQ, unmöglich zu studieren, sollten nicht die Eltern fest dahinter stehen und den Sprössling oder die Sprösslinge finanzieren — sollte es ihnen denn möglich sein.

Vielleicht hat aus der Politik auch keiner Interesse daran, jenen Missstand zu ändern — so bleiben billige Arbeitskräfte erhalten! Dazu muss man wissen, dass in Spanien - im Ranking mit den anderen EU-Ländern - die mit Abstand zweitschlechtesten Gehälter bezahlt werden. (Die rote Laterne hält Portugal!)
...oder auch einfach aus der Gleichgültigkeit, nach dem altbekannten Motto: Das war doch immer so.... (Ein sehr beliebtes und häufig für Ausreden verwendetes Zitat in Spanien!)

Angesichts dieser Missstände muss man sich allerdings auch fragen, warum sich Spanien bei der letzten PISA-Studie weit vor Deutschland platzieren konnte...?!


Wird eine politische Lösung für die Bauvorhaben bei El Cotillo gesucht?

Bei dem strittigen Bebauungsplan in und um die Gegend von El Cotillo soll vermutlich die Notbremse gezogen werden.

So jedenfalls äußerte sich der Tourismusminister der kanarischen Regierung, José Juan Herrera. Mit einem genehmigten Bebauungsplan auf der einen Seite und den andauernden Protesten dagegen auf der anderen Seite, müsse eine für alle Parteien zufrieden stellende Lösung gesucht werden, was aber aufgrund der bereits vergebenen Lizenzen und dem Beginn der Arbeiten nicht einfach sein werde.

Größere Schwierigkeiten sieht er vor allem in der Verwirklichung des Golfplatzes, der, trotz des genehmigten Bebauungsplans, weitere Pläne zur Infrastruktur jenes Terrains erfordere, so wie es der PIOF (Plan Insular de Ordenación del Territorio de Fuerteventura) vorschreibt. Es sei ein paradiesisches Fleckchen Erde, das der touristischen Ausbeutung nicht geopfert werden sollte, so sei sein Umdenken bezugnehmend auf jenen speziellen Fall zu verstehen. Mit bürgernahem Denken möchte man die Sachlage nochmals diskutieren; er schränkt aber ein, dass auch die Promotoren jener Massenkonstruktionen sich Rechte erworben (oder besser gesagt: erkauft) haben, die nicht so ohne weiteres abgegolten werden können, da die Verträge rechtens seinen.

Zur gleichen Zeit wurden mehrere Verantwortliche im Streit um den geplanten Bau eines 6000-Betten-Hotels mit einem 18-Loch-Golfplatz im Bebauungsplan des ‘Plan Parcial Costa del Faro’ und dessen Genehmigung vor den Kadi zur Aussage zitiert. Geladen als Angeschuldigte wegen Amtspflichtsverletzung wurden der Direktor der Abteilung des Gebiets- und Umweltschutzes, Pedro Gómez, und der Ex-Direktor der Abteilung ‘Obras Públicas’ (Bauamt), Domingo Berriel, wegen ihrer Unterstützung des Projekts, sowie die damalige General-Direktorin der Abteilung ‘Ordenación del Territorio’ (Amt zur Klassifizierung des Territoriums) und heutige PP-Abgeordnete María del Carmen Castellano, ebenfalls wegen Unterstützung bei dem Genehmigungsverfahren bei der ausschlaggebenden Sitzung am 26. Juli 2000, in ihren Funktionen als Mitglieder der COTMAC (Comisión de Ordenación del Territorio y Medio Ambiente de Canarias), jene allmächtige staatliche Organisation, die das letzte Wort bei Bebaungs- oder Planänderungsverfahren hat. Bei jener Sitzung wurde u.a. der polemische Bebauungsplan ‘Costa del Faro’ genehmigt, im Beisein von nur drei der neun stimmberechtigten Mitglieder....

Weiteres steht noch aus, wir werden Sie aber auf dem neuesten Stand halten!

Unterstützung auf breiter Front für den Fall ‘Altstadtkern Corralejo’

Rege Teilnahme beim Protestmarsch in Corralejo gegen skrupellose Bodenspekulanten im allgemeinen und die Firma Delval Internacional im speziellen.

Es geht hauptsächlich gegen jene Firma, die die Einschreibung ‘ihres’ Grundbesitzes, eine im Altstadtkern von Corralejo gelegene Parzelle mit der Nummer 951, reklamiert und die Räumung der Häuser verlangt - zu Unrecht, wie alle Zeichen darauf hindeuten.

Die betroffenen Familien, inzwischen dort ansässig seit über hundert Jahren, vererbten ihr Heim von Generation zu Generation. Die Grundstücke kauften jene Groß- oder Urgroßväter seinerzeit von einem Großgrundbesitzer, der Familie Viñoly — wie in diesen Zeiten üblich, per Handschlag! Ein Mann, ein Wort! Und jenes will sich heutzutage eine Immobilienfirma zunutze machen: das Fehlen entsprechender Papiere, Grundstückseintragungen oder Kaufverträge.

Die Familie Viñoly verkaufte jene Grundstücke im Jahre 1965 erneut an eine Firma Palafusa S.A., und jene wiederum vor zwei Jahren an besagte Firma Delval Internacional, die in den heutigen Tagen die Familien ehemaliger Fischer aus den Häusern und von den Grundstücken drängen will.

Hilfe scheint für die Familien allerdings von ‘ganz oben’ zu kommen. Drei der sechs Verwaltungskreise auf Fuerte haben bereits ihre Unterstützung zugesagt, der Vizepräsident der Verwaltung des Cabildos hat seine Hilfe für die betroffenen Anwohner zugesagt, die Rechtsleere zu klären und auch die Bürgermeisterin vom Kreis La Oliva wird sich für eine juristische und verwaltungstechnische Unterstützung der betroffenen Anwohner stark machen, damit jene ihren Grundbesitz nicht verlieren.

Möglicherweise (oder besser: hoffentlich!) wird die Immobilienfirma Delval Internacional den Kürzeren ziehen: Viele der besagten An- und Einwohner jener Häuser können Rechnungen über bezahlte Grundstückssteuern, Wasser oder Strom aus vielen, vielen Jahren vorlegen, datiert in den Jahren 1934 und ff und weiter zurück. Ob dies als Beweis reicht? Hoffen wir es für die Anwohner.

Auch hier werden wir Sie auf dem Laufenden halten.


Weitere Nachrichten in Kürze!