|
Interview
mit Jesús León
Seit gut einem
Jahr ist Jesús León der Rat für Infrastruktur und Flächenplanung der
Inselregierung von Fuerteventura. Er tritt dafür ein, dass es notwendig
ist, die aktuelle Entwicklung des Tourismus auf der Insel zu
kontrollieren. León ermöglicht jedem, der ihn darum bittet, Einblick in
seine Pläne und ist dankbar für jede konstruktive Kritik aus der
Bevölkerung. Aus der Tageszeitung Canarias7 stammt das folgende
Interview.
Es scheint, dass ihr Flächennutzungsplan
für die touristische Entwicklung weder die Aufmerksamkeit noch die
Unterstützung erweckt hat, die man eigentlich hätte erwarten müssen.
Obwohl sich dieser Plan “touristische Flächenplanung“ nennt, beeinflusst
er doch die ganze Insel und ihre Bevölkerung. Deshalb sollten alle
Einwohner von Fuerteventura ihn kennen, ob sie nun etwas mit dem
Tourismus zu tun haben oder nicht. Und deshalb ist unsere erklärte
Absicht, ihn überall dort zu erläutern, wo Interesse besteht, um ein
Höchstmaß an Anregungen zu erhalten. Das einzige, was wir fordern ist,
dass die Vorschläge schriftlich eingereicht werden sollten.
Wir haben uns schon zwei Mal mit der Architektenkammer getroffen, doch
leider haben wir bis jetzt noch kein Dokument mit ihren Entwürfen
erhalten. Auf der anderen Seite haben uns die Grünen einen Vorschlag
zukommen lassen, der jedoch sehr allgemein gehalten ist und nicht ins
Detail geht. Wir möchten gerne, dass sie uns sagen, was an unseren
Plänen nicht nützlich ist und wie wir es verbessern können. Sie
kritisieren die Planer und Entwickler, aber ich glaube zu Unrecht. Wenn
Sie unsere Gesamtplanung aufmerksam studieren, werden Sie sehen, dass
wir nicht auf Wachstum setzen, und dies untermauern wir mit Zahlen und
Daten. Es ist nun mal leider so, dass einige Beschlüsse nicht so leicht
rückgängig zu machen sind, ohne den Betreibern entsprechende
Entschädigungssummen zu zahlen. Schließlich würden Aufwendungen von
etlichen Millionen Euros notwendig sein, was für die Stadtverwaltungen
untragbar wäre.
Gehen Sie offen und ehrlich mit diesem
Thema um?
Wenn
wir auf etwas stolz sind, dann darauf, dass zum ersten Mal in einer
Dokumentation alle Informationen der Inselregierung offen gelegt sind,
damit die Bevölkerung von Fuerteventura weiß, wie viele verschiedene
Bebauungspläne es gibt, und in welchem Stadium sie sich jeweils
befinden, Gemeinde für Gemeinde. Wir verbergen nichts. Außerdem haben
wir vorgesehene Genehmigungen zurückgestellt, um sie erst der Mehrheit
bekannt zu machen.
Ist die Situation so dramatisch, was die
Bebauungspläne angeht?
Wir
gehen von einer konkreten Analyse aus und fordern, wenn jemand meint,
wir würden uns täuschen, dass er uns dies sagt. Wir kommen zu der
Schlussfolgerung, dass es immer noch 55.000 Betten sind, die auf
Fuerteventura geschaffen werden können, dass setzt ein
Bevölkerungswachstum von mehr als 100.000 Menschen voraus und damit die
Notwendigkeit von mehr als 2 Millionen Touristen im Jahr. Und das ist
die Realität, ob uns das gefällt oder nicht. Angesichts dieser Situation
sagen wir, dass wir auf die Bremse treten müssen, dass wir unser Bauland
frei machen oder zumindest frei halten müssen, um die Zukunft planen zu
können. In unserer Studie versuchen wir, wenn wir schon nicht die
exzessive Vergabe von Baulizenzen rückgängig machen können, wenigstens
zu bewerkstelligen, dass nicht alles so bald und auf einmal geschieht.
Hat man in der Vergangenheit Fehler bei
der Flächenplanung von Fuerteventura zurückgehalten?
Wir
sind uns klar darüber, dass der wertvollste Besitz, den wir haben, unser
Land ist und dass wir es nicht verschwenden dürfen. Wir denken, dass es
nun reicht, denn haben wir diesen wertvollsten Besitz lange genug
missbraucht. Deshalb müssen wir ihn nun endlich retten — damit
derjenige, der in 20 Jahren regieren wird, entscheiden kann, was er mit
dem Land macht, aber nicht vorher. Das ist unsere Philosophie. Ich weiß
nicht, ob wir sie gut oder schlecht auf unsere Dokumentation übertragen
haben. Aber es handelt sich durchaus nicht um ein Wachstumsprojekt,
jedenfalls nicht solange ich noch Ratsmitglied bin.
Werden Sie die touristischen Gebiete
vergrößern?
Das
ist ein weiterer Irrtum! In diesem Flächennutzungsplan sehen wir
ausgedehnte Feriengebiete vor, aber wir streben an, deren Nutzung für
die Zukunft zu bewahren. Dort wird es keinerlei Wachstum geben, weder
für die Industrie noch für den Wohnungsbau. Wir möchten sie unangetastet
lassen, bis in 20 oder 25 Jahren, oder auch nie, dort neue Projekte für
Urlauber entwickelt werden. Aber jetzt darf dort absolut nichts gebaut
werden.

Verschnaufpause für die Landschaft
Jesús León hat vor kaum einem Jahr Domingo Berriel als Rat für
Infrastruktur und Flächenplanung abgelöst. In dieser kurzen Zeit hat
seine Abteilung große Aktivitäten entwickelt, ausgerichtet auf zwei
Punkte, im Prinzip Gegensätzlichkeiten: die Modernisierung und
Instandsetzung einer Vielzahl von Straßen, zusammen mit der Ausarbeitung
von legalen Maßnahmen, um die aktuelle rasante städtische Entwicklung zu
reduzieren. Er gesteht, dass unbewohnte weite Ebenen mit einer einzigen
Palme am Horizont für ihn die idealen Landschaften sind. Und obwohl er
sich eigentlich als Utopist sieht, versichert er anschließend “Man muss
trotzdem Realist sein“.
Ein Plan gegen die drohende Vermassung
Der
touristische Flächennutzungsplan ist ein Instrument, welches die
Inselregierung dringend einsetzen möchte, um das Desaster zu verhindern,
das über die Insel zu kommen droht. Mit den mehr als 55.000
Betten-Lizenzen für die 6 Gemeinden und für weitere geplante, würde die
Bevölkerung in kurzer Zeit um 113.220 Einwohner auf das Doppelte von
heute anwachsen. Die neuen Familien werden neue Krankenhäuser brauchen,
Gerichtsgebäude und nicht weniger als 22.000 neue Schulplätze. Um die
neuen Hotels halten zu können, wären jährlich mehr als 2 Millionen
Feriengäste erforderlich und das würde die Nutzung von mehr als 1
Millionen qm bisher unberührten Strandes mit sich bringen. Wenn das
alles realisiert würde, schlimmer noch, wenn alles auf einmal umgesetzt
würde, würde darunter die Lebensqualität der Einwohner von Fuerteventura
extrem leiden. Und es würde die Verwaltungen verpflichten, Investitionen
in Multimillionenhöhe in Angriff zu nehmen, die veranschlagt wurden mit
ca. 50.000 Millionen. Der neue Flächennutzungsplan will diese unhaltbare
Entwicklung bremsen, und definiert ganz klar: ”Es wird kein Quadratmeter
Boden mehr zugeteilt!”
Die Inselregierung
nimmt ganz klar eine politische Interventionsstellung ein und verhandelt
die Reduktion von schon genehmigten Projekten zumindest auf 50 %.
Gleichermaßen wird sie ausgedehnte Tourismuszonen schaffen, für die ein
Nullwachstum angeordnet wird. Die Bebauung wird verboten und es werden
Gebiete festgelegt für zukünftige Generationen. Verbunden damit, werden
mit der Zeit die Gebiete für erschließbaren Grund erweitert, der
Qualitätsstandard für Ferienunterkünfte verbessert und die
Modernisierung und Renovierung von obsoleten Ferienanlagen ausgebaut.
Schließlich wird die Errichtung von Sport- und Freizeitzentren und
Golfplätzen gefördert.
Offizieller Antrag von Fred
Olsen für den Süden von Fuerteventura
Der Generaldirektor der Reederei Fred Olsen, Guillermo Van de Waal,
hat gegenüber dem Regierungspräsidenten von Fuerteventura, Mario
Cabrera, bestätigt, dass seine Schifffahrtsgesellschaft sowohl bei der
Hafenbehörde von Las Palmas, als auch bei der zuständigen Dienststelle
der Kanarischen Regierung die Genehmigung beantragt hat, um mit dem
Verkehr zwischen den Häfen Morro Jable und Las Palmas beginnen zu
können, sobald die Bauarbeiten zur Verbesserung der Infrastruktur, im
Auftrag der Kanarischen Regierung, abgeschlossen sind. Dabei geht es um
den Einsatz einer Schnellfähre, die Fred Olsen schon auf anderen Routen
zwischen den kanarischen Inseln im Einsatz hat, und die täglich mehrere
Verbindungen ermöglicht.
Mario Cabrera ist der Ansicht, dass die Bewilligung dieser neuen Linie
einen Sprung nach vorne bedeutet, in Qualität und Dienstleistung für den
Personen- und Fahrzeugtransport. Sie wird den Verbindungsring zwischen
allen Inseln schließen. Aktuell bestehen Expressverbindungen zwischen
Corralejo und Playa Blanca (Lanzarote) sowie zwischen Gran Canaria, Teneriffa und dem Rest der Inseln. Für die einzig noch fehlende zwischen
Fuerteventura und Gran Canaria wurde jetzt der Antrag offiziell
gestellt, um das Angebot zu komplettieren.
Der Präsident der Inselregierung von Fuerteventura erklärt, dass Fred Olsen damit
starten würde, täglich mehrere Verbindungen zur Verfügung zu stellen.
Aber auch die Tatsache, dass die Fähre über Nacht in Morro Jable bleibt,
ist sehr wichtig und bringt eine deutliche Verbesserung, denn somit
könnte man schon zu Tagesbeginn eine Fahrt nach Las Palmas anbieten.
Aufgrund der Schnelligkeit der Fähre sind noch zwei weitere Fahrten
täglich geplant, sowohl für Passagiere als auch für Fahrzeuge.
Mario Cabrera führt aus, dass es noch keinen festen Termin für den
Beginn der neuen Fährverbindung gibt, obwohl die Regierung der
Kanarischen Inseln schon 5 Millionen Euro per Eilbeschluss für die
Ausbauarbeiten des Hafenbeckens von Morro Jable bereitgestellt hat.
Außerdem hat die Reederei Fred Olsen bei der lokalen Hafenverwaltung die
Genehmigung für den Betrieb und den Verkauf von Fahrscheinen im Hafen
von Morro Jable beantragt.
Mario Cabrera erinnerte daran, dass es in den letzten Monaten weitere
Angebote von Schifffahrtsgesellschaften gab, die ebenfalls eine Linie
von Morro Jable aus starten wollten, doch bisher kam dabei nichts
Konkretes heraus. Im Unterschied zu jenen
Angeboten handelt es sich bei Fred Olsen um eine auf den Kanaren
ansässige Firma, die sich seit vielen Jahren durch Personenverkehr einen
guten Namen gemacht hat. "Deshalb denken wir", so Mario Cabrera, "dass ihr
Angebot vollkommen seriös ist und vertrauen darauf, dass es gut voran
gehen wird, wenn erst einmal die Bauarbeiten abgeschlossen sind und die
zuständige Verwaltung sie autorisiert. Es wird eine sehr wichtige
Verbesserung der Verkehrsverbindungen darstellen, nicht nur für den Süden von
Fuerteventura, sondern für die gesamte Insel".
Anstieg der
ausländischen Residenten auf Teneriffa doppelt so hoch wie auf Gran
Canaria —
Hauptsächlich Engländer und
Deutsche wählen die Kanarischen Inseln zum Leben.
Gemäß der Daten des statistischen Instituts der Kanaren (Istac) stieg
2004 die Anzahl der ausländischen Residenten auf Teneriffa um mehr als
das doppelte als auf Gran Canaria. Zwischen dem 1. Januar 2004 und dem
1. Januar 2005 haben sich insgesamt 36.479 Ausländer offiziell
angemeldet, hauptsächlich Engländer, Deutsche und Italiener. 70% der
neuen Einwohner auf den kanarischen Inseln waren demnach Ausländer.
Die
folgenden Tabellen zeigen den Anstieg unter verschiedenen
Gesichtspunkten:
Zuzug auf die Kanarischen Inseln
|
aus |
Deutsch-land |
England |
Kolumbien |
Italien |
Marokko |
Venezu-ela |
Argenti-nien |
|
Zuzug 2004 |
3.652 |
4.487 |
1.711 |
2.815 |
2.770 |
2.367 |
1.582 |
|
Total 1.1.05 |
28.957 |
25.013 |
21.096 |
15.044 |
14.984 |
13.301 |
11.446 |
Von
222.260 ausländischen Residenten, gezählt am 1.Januar 2005, sind 102.509
aus Europa.
|
|
Westliche Inseln |
Östliche Inseln |
|
Total
1.1.05 |
Teneriffa:
101.946 |
Gran
Canaria:
60.531 |
|
|
La Palma:
7.281 |
Lanzarote:
27.736 |
|
|
La Gomera:
2.919 |
Fuerteventura:
20.526 |
|
|
El Hierro:
1.321 |
|
|
Residenten aus |
Gran
Canaria |
Teneriffa |
Lanzarote |
|
Deutschland |
5584 |
12893 |
2752 |
|
England |
2309 |
16460 |
4091 |
|
Norwegen |
1049 |
291 |
168 |
|
Schweden |
1007 |
808 |
104 |
Die Kanarischen Inseln
liegen bei den Europäern mit mehr als 16.000 Neuanmeldungen auf dem
ersten Platz,
gefolgt von Amerika ( 2 Tsd.), Afrika ( 5 Tsd.) Asien (2 Tsd. ) und
Ozeanien (16).
Zurück zur Übersicht
|